

Kunde
ERMAFA Sondermaschinen- und Anlagenbau GmbH
Produkt
Interaktiver Recycling-Tisch für die IFAT Munich 2026
neongrau
Produktdesign (Tisch & Avatare), UX/UI Design (Interface)
Herausforderung
Ein Reifen sieht simpel aus, ist aber ein Verbund aus Gummi, Stahldraht und Textilfasern, fest miteinander verbunden, damit er 50.000 Kilometer hält. Genau das wird beim Recycling zum Problem: Man muss ihn wieder in seine Bestandteile zerlegen, damit aus Altgummi neuer Rohstoff wird. Allerdings verhält sich ein Pkw-Reifen anders als ein Lkw- oder Bergbaureifen, und jede Anlage hat andere Anforderungen an Menge, Material und Reinheit. Deshalb gibt es hierfür keine Maschine von der Stange.
ERMAFA entwickelt seit über 180 Jahren Sondermaschinen für die Kunststoff- und Kautschukindustrie. Ihre individuellen Maschinen lösen genau das oben beschriebene Problem. Von der Aufbereitung von Elastomeren über Reifen- und Altöl-Recycling bis zur Sterilisation medizinischer Abfälle: Auf der IFAT Munich sollte die Komplexität all dieser Anwendungsfälle einem internationalen, teils branchenfremden Publikum erklärt werden. Allerdings ohne persönliche Begleitung durch das ERMAFA-Team und ohne zu viel Prozesstiefe preiszugeben.
Lösung im Überblick
Die Antwort ist ein interaktiver Exponat-Tisch. Kleine, greifbare Objekte, die Avatare, stehen jeweils für eine Recyclingtechnologie und öffnen per Berührung ein geführtes digitales Erlebnis auf einem großen Touchscreen. So kann sich jede:r Besucher:in eigenständig durch die Prozesse klicken, ganz ohne Vorwissen und ohne Begleitung. Die technische Tiefe der Maschinen bleibt dabei bewusst verborgen.

Produktdesign
Der Tisch & die Avatare




Mit einem Fragebogen zur Form
Wie bei jedem interaktiven Exponat sind wir mit einem Fragebogen gestartet: Nutzerzahl, Sichtbarkeit auf dem Stand, verfügbarer Platz, Vorgaben aus dem Corporate Design.
Die erste Weichenstellung war konzeptionell: wandgebunden oder freistehend? Wir entschieden uns für freistehend. Das ist flexibler einsetzbar und unabhängig von der Wandsituation auf künftigen Messeständen.
Ein Möbelstück mit Innenleben
Das Corporate Design gibt eine dunkle Basis und einen weißen Brand-Space darüber vor. Diese Logik übersetzten wir direkt in die Tischkonstruktion: mehrteilig, zerlegbar, aus lackierten Multiplex-Platten, unten anthrazit, oben weiß. Der dunkle Korpus lässt das voluminöse Möbelstück schmaler wirken und beherbergt Rechner, Steuerung, Stromversorgung und Verkabelung. Im weißen Volumen sitzen Touch-Display und RFID-Sensor. Der robuste Tisch lässt sich zerlegt bequem in Cases transportieren, praktisch für den Messealltag.
Die Tischoberseite ist in drei Zonen gegliedert: Display, Ablagefläche für ungenutzte Avatare und Lesefeld. Die Formen dieser Flächen sind bewusst mit dem Interface abgestimmt.

Vom Prozess
zum Objekt
Zentrale Frage war: Mit welcher abstrahierten Form lassen sich Recyclingprozesse und -produkte darstellen, sodass sie für Messebesucher:innen auf Anhieb erkennbar sind? Wir haben verschiedene Formen geprüft. Letztendlich ist die Lösung rund. Sie lässt sich ohne feste Ausrichtung platzieren, ist im Durchmesser einer Getränkedose nachempfunden und liegt gut in der Hand.
Jeder Avatar trägt typografisch den Verfahrensnamen und bildet plastisch das dazugehörige Ausgangs- oder Endprodukt ab: Öl im Fass, aufgerolltes UD-Tape, zerkleinerte Gummipartikel.
Prototyping: Unser Weg zum fertigen System
Erste Proportionsstudien entstanden in Form von Papier und Pappe. Für die Typografie kam mehrfarbiger 3D-Druck zum Einsatz, für die Avatare mischten wir die Materialien: vom gedruckten UD-Tape bis zum echten Gummigranulat im Plexiglaszylinder. Für das Lesefeld verbauten wir die RFID-Spule und frästen die passgenaue Vertiefung für die Avatare. Ansteuerung und Verkabelung übernahm intolight.
Am Ende steht ein vollständiges physisches Produkt-System. Der Wechsel eines Avatars auf dem Lesefeld ruft unmittelbar das passende Maschineninterface auf dem Screen auf. Tisch und Avatare greifen so haptisch und digital ineinander.

Das Interface



UI Design
Auch ohne Einführung bedienbar
Besucher:innen mussten sich ohne Anleitung durch das Team von ERMAFA durch die Anwendung klicken können. Das UI planten wir daher so simpel und intuitiv wie möglich, damit es auch branchenfremden Menschen ohne Erklärung einleuchtet. Unsere Aufgabe war es, die von intolight und ERMAFA gemeinsam erarbeiteten Inhalte in eine verständliche, geführte Interface-Struktur zu übersetzen. Hinzu kam ein Kontextwechsel aus der klassischen Web-UX: Der Bildschirm liegt horizontal im Tisch und ist eher wie eine Tischplatte zu bedienen als ein vertikales Display. Das hatte direkte Konsequenzen für die Informationsarchitektur.
Navigation neu verortet
In den Wireframes legten wir die Interaktionsstruktur und Klickpfade fest. Anders als im Web wanderte das Menü von oben an die Seite: Auf einem großen, liegenden Display ist der obere Bildschirmrand schlicht schwerer erreichbar.
Vom Wireframe zum Figma-Prototyp
Die visuelle Gestaltung setzt auf Darkmode. Das ist Teil des ERMAFA Corporate Designs und bietet zugleich besseren Kontrast für die 3D-Animationen. Das ERMAFA-Blau war für den dunklen Grund zu unauffällig und nicht barrierearm genug für Call-to-Actions. Nach der Testingphase fiel die Wahl daher auf ein kräftiges Lime-Gelb als Zusatzfarbe.
Das Hauptmenü rechts ist zurückhaltend in Form von Icons gestaltet und lässt sich per Tap um Textlabels erweitern. Die Navigation erfolgt über Touchpoints oder Pfeile. Klicks auf die Touchpoints öffnen Info-Kacheln mit links-mittig platzierten Schließen-Buttons für bequeme Bedienung auf der liegenden Fläche. Weitere Menüpunkte führen zu den Tech Specs und USPs. Ein dauerhaft ausklappbares Menü liefert allgemeine Maschinendaten wie Dimensionen und Performance.
Ergebnis ist ein geführtes Interface, das die vorgegebene Prozesstiefe verständlich und sensibel präsentiert.

Prozessansicht

Detailansicht & Animation
Partner & Zusammenarbeit
Das Exponat ist ein intolight-Projekt: Konzeption und Gesamtverantwortung lagen bei intolight, wir kamen als Umsetzungspartner für Produktdesign und UX/UI Design an Bord. Die technische UI-Umsetzung übernahm queo, die 3D-Animationen der Maschinen entstanden beim externen Partner Bouksi. Erst im Zusammenspiel aller Beteiligten wurde aus Konzept, Objekt und Interface ein funktionierendes Gesamtsystem.
Partner: intolight (Konzeption & Projektleitung) · queo (UI-Umsetzung) · Boukis (3D-Animation)
Ergebnis auf der
IFAT Munich 2026
Vom 4. bis 7. Mai 2026 präsentierte sich ERMAFA auf der IFAT Munich, der Weltleitmesse für Umwelttechnologien mit rund 3.400 Ausstellenden aus mehr als 60 Ländern. ERMAFA war Teil einer offiziellen Solution Tour, gemeinsam mit anderen etablierten Recycling-Playern wie PreZero, Doppstadt, Greyparrot und Lindner. Fachbesucher:innen wurden im Rahmen geführter Touren gezielt zum Stand geleitet.
Für ein Publikum, das sich in Minuten zwischen Hunderten Ausstellenden bewegt, bot der Tisch genau das, wofür er entwickelt wurde: einen Einstieg ganz ohne Vorwissen und ohne Begleitung. Komplexe, sensible Recyclingprozesse wurden so in einem greifbaren, verständlichen Format erlebbar.



Tech Specs

USP-Ansicht









